Zen in Zürich.

Zürich ist ein schlechter Zen-Schüler, den für Leere hat es bald kein Platz mehr. Es wird gebaut und verdichtet, da hat schon noch etwas Butter auf dem Brot Platz. Apropos Platz ein schönes Beispiel von Leere, ist der Turbinenplatz und das dazugehörige Mausoleum 5.

Der Platz ist „etwas“ unterkühlt gestaltet und zu linear um als Zengarten zu dienen. Immerhin hat man Kies gestreut, trotzdem lädt er nicht gerade zum verweilen ein. Die massiven Holzbänke erinnern mich an eine Mischung aus kanzerogener Eisenbahnschwelle und Panzersperren. Der Erbauer muss ein sehr abstraktes Menschenbild haben. Vielleicht hat er sich auch vom drogenrauschartigen Beleuchtungskonzept inspirieren lassen.

Schnell Hinsetzen und ein Sandwich essen ja, aber bloss kein Leben auf dem Platz. Zugegeben es wohnen auch nicht viele Menschen in direkter Nähe. Das ist bei der Verkehrssituation verständlich. Wer will schon auf der Autobahn wohnen? Vereinzelt sieht man Exponate der urbanen Stattbevölkerung beim anstrengenden Versuch Zürich-zu-leben, aber sie werden erdrückt von der Grösse des Platzes. Verlorene Touristen aus den Billighotels, ein paar Schauspielerinnen und Nerds aus dem Technopark eilen über den Platz. Ein wohlgeformter Kieshaufen und ein Bettelmönch gingen leider bei der Planung vergessen. Nicht vergessen gingen ein paar Birkenbäumchen, aber die Spenden weder Schatten im Sommer noch geben sie genug Holz ab für ein Feuerchen gegen den kalten Winter. Wenigstens kann sich Iggy Pop dahinter vor aufdringlichen Paparazzi verstecken.

Hinter diesem Platz das Mausoleum 5, eine grosse Halle, aber Leblos und leer. Ein typischer Ort wo man durchgeht, aber nicht stoppt. Da nützen auch künstliche Hindernisse wie Töggelikästen, die in den Weg gestellt werden, nichts. Zielgerichtet marschiert man durch die Montagehalle oder aussen rum, da die Eingangstüren nur teilweise funktionieren bzw. das Gefühl vermitteln sich nicht für dich öffnen zu wollen.

Gerne hätte ich hier ein Foto präsentiert, aber leider darf man im innern des Mausoleums nicht fotografieren oder nur mit entsprechender Genehmigung. Wer die Genehmigung für die hässlichen Weihnachtsbäume und komische Loungekonzept gegeben hat möchte ich hingegen nicht wissen. Ich zitier nur Colonel Walter E. Kurtz „Das Grauen….das Grauen…“.

Die Läden sind alle modern gemacht und verkaufen lustige Dinge wie Eiweissprodukte und Tee. Sie sind leer und ein wenig trostlos und ich frage mich, ob sich dahinter Drogen- und Glückspielclubs verbergen. Ansonsten kann ich mir nicht Vorstelle wie diese Geschäfte überleben können? Ich für mein Teil unterstütze sich nach Möglichkeit, indem ich öfters dort Speise. Dies kann man dort nämlich schnell gut und günstig tun (Asien vs. Türkei). Nach dem Speisen verlasse ich aber Platz und Gebäude schleunigst. Ich möchte ja nicht die angehenden Zen Schüler bei ihren Meditationen stören.

0 Antworten zu „Zen in Zürich.“



  1. Noch keine Kommentare

Eine Antwort schreiben




Kategorien

Vergangenheit